Blick ins Mittelalter: Die Stadttore in Coesfeld
Spannender Vortrag von Dr. Norbert Nagel beim Heimatverein Lette
Die Frage nach dem bekanntesten Stadttor in Deutschland fand schnell eine Antwort: Das Holstentor in Lübeck, bekannt auch von der Rückseite des früheren 50-DM-Scheins. Ganz so berühmt ist das Walkenbrückentor in Coesfeld zwar nicht, gleichwohl hat es einen besonderen Charakter und eine bemerkenswerte Geschichte. Einen weiten, reich bebilderten Bogen über die Bedeutung und unterschiedliche Ausprägung von Stadttoren in Deutschland und Europa schlug Dr. Norbert Nagel, bevor er sich dem Walkenbrückentor und den übrigen vier früheren Coesfelder Stadttoren thematisch näherte.
Der Heimat- und Verkehrsverein Lette e. V. hatte den Coesfelder Historiker und Geschichtsforscher auf Anregung des Beiratsmitglieds Dr. Heiner Kleinschneider eingeladen, um anlässlich seiner Mitgliederversammlung über die mittelalterlichen Stadttore zu berichten. Der Referent verstand es, den rund 60 Teilnehmern im voll besetzten Heimathaus in Lette Heimatgeschichte kurzweilig, spannend und verständlich zu präsentieren.
Unterschiedliche Stadttor-Typen, unterschiedliche Funktionen, unterschiedliche Ansatzpunkte für die Namensgebungen: Kein Stadttor gleicht dem anderen, auch in Coesfeld nicht. Alle ursprünglich fünf Stadttore in Coesfeld wurden im 14. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Das Süringtor, das Letter Tor, das Münstertor und das Viehtor überstanden die Wirren der Stadtgeschichte nicht. Nur das Walkenbrückentor „überlebte“ und präsentiert sich heute als eines der ältesten erhaltenen Stadttore Westfalens in bestem Glanz. 1945 sah seine Zukunft allerdings eher düster aus. Das Tor war durch eine Fliegerbombe weitgehend zerstört worden und konnte nur aufgrund der besonderen Initiative des damaligen Heimatvereinsvorsitzenden und weiterer engagierter Mitbürger wiederaufgebaut werden.
Das Walkenbrückentor hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich: 1339 erstmals als „Valkenbruggenporte“ urkundlich erwähnt und nach einer Familie „Valke“ benannt, diente es im Zeitverlauf nicht nur als Stadttor, sondern u. a. auch als Gefängnis, Folterraum, Zollstation, Warenlager und aktuell bekanntermaßen als Stadtmuseum. Es ist inzwischen zu einem Wahrzeichen von Coesfeld geworden.
Dr. Nagel widmete sich auf Wunsch des Heimatvereins Lette auch besonders dem früheren Letter Tor. Es stand an der Letter Straße in Höhe der Wallanlage. Hierzu hatte der Referent alte Quellen ausgewertet. Der älteste Beleg datiert um 1320. Die Namensgebung richtete sich nicht etwa nach dem Dorf Lette, sondern nach den „Herren von Lette“. Dieser nicht mehr bestehende Adelssitz befand sich seinerzeit im Umfeld der heutigen Letter Grundschule. Das älteste Bild vom Letter Tor ist auf einem Kupferstich aus dem Jahre 1616 zu sehen, und eine Darstellung aus dem Jahr 1646 zeigt das Bauwerk als eine Dreitoranlage.
Insgesamt zeigten sich die Teilnehmer fasziniert von den Ausführungen, die auch Zitate aus alten Handschriften beinhalteten. „Ortsgeschichte greifbar dargestellt – das war für mich ein rundum bereichernder Abend“, so das Fazit.

Dr. Norbert Nagel beim Heimat- und Verkehrsverein Lette e. V.

Bis auf den letzten Platz besetzt war das Heimathaus Lette beim Vortrag von Dr. Norbert Nagel aus Coesfeld.